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Dokumentation. Waren die Assyrer grausam? Sturm auf Jerusale

مرسل: الأحد إبريل 03, 2011 10:40 pm
بواسطة د. جبرائيل شيعا
Dokumentation. Waren die Assyrer grausam? Sturm auf Jerusalem‏


Morgen Abend sendet das deutsche Fernsehen ZDF eine Dokumentation über die echten Assyrer der Antike und deren Sturm auf Jerusalem. Es wird sehr Interessant sein, daraus zu verstehen, wie die Assyrer damals auch die Aramäer von Aram Nahrin oder Mesopotamien (griechischer Name) und weitere Völker außerhalb Mesopotamien grausam unterwarfen und Jahrhunderte lang von ihnen Tribut nahmen. Tur Abdin, das Kerngebiet der Aramäer wurde ebenfalls davon stark betroffen, z.B. Asur Nasirpal II plünderte Tur Abdin im Jahre 879 v.Chr. Dank der vor einigen Jahrzehnten entdeckten Tontafeln mit Keilschrift sind alte Namen einiger Dörfer und Städte im und um Tur Abdin erhalten. Die Grausamkeit der Assyrer hat ihren Spur in der Literatur der Nachfahren der Opfern hinterlassen; z.B. die syrischen Kirchenväter und Historiker dokumentierten dies in ihren Werken und Gebetsbüchern, wie der Satz „moryo faso lan men idayo d-othuroye“ (Gott befreie uns von den Händen der Assyrer) (vgl. shHimo [Mor Aphrem] und die Chronik von Zuqnin (= Ps-Dionysios Telmahroyo).

Es ist zu empfehlen, den Film anzuschauen. // Gabriel Rabo.

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Bildquelle ZDF
Dieses Relief zeigt, auf welche Weise die Assyrer ihrer Gegner töteten.

Sturm auf Jerusalem

Waren die Assyrer grausam?

Historiker Andreas Fuchs rückt das Bild über das kriegerische Volk zurecht
Professor Andreas Fuchs ist Spezialist für die Geschichte und Kultur der Assyrer an der Universität Tübingen. Sein Urteil zur Frage, ob die Assyrer grausam waren, lautet: Jein! Nach dem Verständnis ihrer Zeit - vor 2700 Jahren - waren sie nicht grausamer als andere große Staaten und Völker. Doch, was andere der Nachwelt verschwiegen, dessen rühmten sich die Könige Assyriens in Inschriften ihrer Paläste und in Berichten über ihre Feldzüge.

„Die Assyrer waren grausam" - jeder moderne Mensch, der sich mit den Assyrern beschäftigt, wird sich dieser Aussage anschließen. Vielleicht ist es bei vielen auch das Einzige, was sie über dieses Volk und seine Kultur wissen. Sumerer zum Beispiel und die Babylonier gelten als freundlicher und mehr der Kultur zugewandt. Die Assyrer dagegen werden mit Machtpolitik, Brutalität und Grausamkeit in Verbindung gebracht - vor allem das Neu-assyrische Reich, das vom Ende des 10. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts große Teile des Nahen Osten seiner Herrschaft unterwarf.

Der schlechte Ruf der Assyrer gründet sich vor allem auf Textpassagen wie die hier ausgewählten Keilschrifttexte. Doch im Urteil seiner Zeitgenossen ist Assyrien nicht wegen besonderer Grausamkeit verschrien. Auch in den Büchern des Alten Testamentes nicht, in denen über den Sturm der Assyrer unter ihrem König Sanherib im Jahr 701 vor Christus berichtet wird
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Nicht wesentlich brutaler als andere

Das Neuassyrische Reich scheint sich, wenn es um Grausamkeiten geht, nicht wesentlich von seinen Nachbarn unterschieden zu haben. Allerdings war es erfolgreicher als sie und hat seinem Ruf für alle Zeiten dadurch geschadet, dass die assyrischen Könige - anders als die sumerischen oder babylonischen Herrscher - darauf bestanden haben, ihre Erfolge auf ziemlich brutale Weise in Wort und Bild zu verewigen.

Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich: In vielen Teilen des heutigen Afrika und Asiens würde man auch heute, auf Grund eigener leidvoller Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit, das Wüten der Assyrer nicht als außergewöhnlich ansehen. Dennoch bleibt die Tatsache: Die Assyrer waren als kriegerische Eroberer grausam. Denn Völker, die andere durch Krieg unter ihre Herrschaft bringen, gehen selten freundlich vor.


Grausamkeit als Kriegstaktik
Grausamkeit bei der Kriegsführung hatte Methode. In Verbindung mit militärischer Überlegenheit verschaffte sie bei konsequenter Anwendung dem König und seinem Heer einen fürchterlichen Ruf, der ihnen bei Feldzügen vorauseilen und den Gegner vor Entsetzen lähmen sollte. So rühmte sich etwa einer der Könige von Assur mit sichtlicher Genugtuung: "Schon auf die bloße Erwähnung meines Namens hin fürchteten sie sich und es sanken ihnen die Arme kraftlos herab."

Zunächst ging es dabei um reine Selbstbehauptung. Man machte Nachbarn zu Vasallen, um die eigene Existenz zu sichern. Später standen die Sicherung und Erweiterung der Herrschaft im Vordergrund. Auswärtige Mächte oder Rebellen fordern den assyrischen König zum Krieg heraus, indem sie Tribute verweigern, Verträge brechen, Vasallen aufhetzen, Flüchtlinge aufnehmen, Rebellen Asyl gewähren oder einfach nur Karawanen überfallen. Jeder assyrische König ist fortwährend in Kriege verwickelt. Im Norden ist das Reich von Urartu ein ständiger Konkurrent. Im Süden heißt der Hauptgegner Babylon


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ZDF

Der "schlechte" Ruf war Taktik und sollte besagen: Wer sich mit der assyrischen Weltmacht anlegt, muss mit dem Schlimmsten rechnen.

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Assyriens Macht auf dem Höhepunkt
Im Verlauf eines vielfach unterbrochenen Expansionsprozesses, der gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann, stieg Assyrien in den darauffolgenden Jahrhunderten von einem eng begrenzten, um sein Überleben kämpfenden Land zur Vormacht Vorderasiens auf. Somit trat Sanherib, als er im Jahre 705 v. Chr. den Thron bestieg, die Herrschaft über das bei Weitem mächtigste Reich seiner Zeit an.

Warum bekannten sich die Könige Assurs mit entwaffnender Offenheit zu ihrem brutalen, oft grausamen Vorgehen? Die Antwort ist einerseits in der Tatsache zu suchen, dass die Idee der Menschenrechte in der Epoche des neuassyrischen Reiches noch gänzlich unbekannt war. Ein weiterer Grund liegt im assyrischen Verständnis von der Rolle des Königs und dem Funktionieren seiner Herrschaft.


Der König von Assur betrachtete sich als einzigartig
Der König betrachtete sich unter den Herrschern der Welt als besonderes Wesen: Während der assyrische König hoch über den zahlreichen sonstigen Königen und Herrschern der Welt stand, thronten über ihm die Götter, die gleichfalls zahlreich waren. Jeder Krieg, den er führte, war gerechtfertigt.

Allein zwischen Menschen und Göttern stehend war der assyrische König ganz und gar einzigartig. Und er nahm überdies für sich in Anspruch, als Diener und Liebling der Götter vollkommen in ihrem Sinne und gemäß ihrem Willen zu handeln. Ein Widerstandsrecht konnte es unter diesen Umständen nicht geben, vielmehr musste jeder Akt des Ungehorsams gegen den König zugleich ein Vergehen gegen den Willen der Götter sein.


Gerechtigkeit als Kriegslegitimation
Damit aber war jeder Krieg, den der König führte - sei es, um Rebellen im Innern des Reiches niederzuwerfen oder um auswärtige Feinde zu besiegen - ein gerechter Krieg, in dem der assyrische König alles Recht auf seiner Seite wusste, während alle Schuld der Gegenseite anzulasten war. Feinde, ganz gleich ob innerhalb oder außerhalb des Reiches, galten infolgedessen nicht als gleichwertige Gegner, sondern als Verbrecher und Sünder, die es in aller Härte und mitleidlos zu bekämpfen galt, um sie am Ende ihrer verdienten Strafe zuführen zu können.

Die assyrische Sichtweise, soweit sie sich in den Quellen offenbart, betrachtete die Geschehnisse aus einer ganz und gar selbstgerechten Perspektive und ließ allein die eigenen Forderungen, Ziele und Wünsche gelten. Wer sich diesen fügte, war ein gehorsamer Untertan. Wer sich gegen sie auflehnte, ein Bösewicht und Feind der Götter. Somit war es unmöglich, neutral zu bleiben, jeder Mensch musste sich vielmehr für eine dieser beiden Positionen entscheiden.


Standpunkt des Gegners zählte nicht
Die assyrische Seite machte sich bei alledem nicht die Mühe, sich in den Standpunkt ihrer Gegner hineinzuversetzen: Deren tatsächliche Beweggründe interessierten nicht, stattdessen wurde ihnen in pauschaler Weise grundsätzliche Bosheit und Niedertracht unterstellt. Daher konnte kein Feind auf die Berücksichtigung etwaiger mildernder Umstände hoffen und hatte mit unbarmherziger, durch nichts gemilderter Bestrafung zu rechnen.

Bei alledem ist festzuhalten, dass die Bestrafungsmethoden der Assyrer in ihrer Zeit nicht außergewöhnlich waren. Die assyrischen Könige hatten jedoch aufgrund ihrer ungeheuren Macht weit häufiger als ihre schwächeren Feinde und Rivalen die Gelegenheit, über Feinde zu triumphieren.


Nicht rassistisch oder nationalistisch
Doch auch wenn die Assyrer im Krieg und bei der Bestrafung ihrer Feinde außerordentlich brutal zu Werke gingen, so stand dabei keine jener extremen oder fanatischen Ideen im Hintergrund, die in späteren Epochen so viel Unheil angerichtet haben: Religiöse Verfolgung, Nationalismus oder Rassismus waren ihnen fremd; das assyrische Reich war ganz im Gegenteil sogar sehr erfolgreich darin, Menschen jeglicher Herkunft in das eigene System zu integrieren - auch wenn dies oft genug unter Zwang geschah.

Die assyrischen Herrscher verfolgten eine rücksichtslose Realpolitik, die zwar ohne Zögern über Leichen ging, insgesamt aber am Gewinn orientiert war. Sie wollten die Welt beherrschen, nicht sie vernichten. Insbesondere waren arbeitende und Abgaben zahlende Untertanen ein außerordentlich wertvoller Besitz. Anstatt die Bevölkerung eines feindlichen oder rebellischen Gebietes als Sklaven zu verkaufen oder gar umzubringen, deportierte man sie stattdessen in andere Teile des Reiches, wo sie sich als nützliche Untertanen bewähren sollten.


Besiegte Gegner Sanheribs hatten nicht mit Milde zu rechnen.


Hinrichtung als Siegeszeremoniell
Ein fürchterliches Schicksal erwartete dagegen all jene feindlichen Anführer, die das Pech hatten, den Assyrern lebend in die Hände zu fallen. Die Sieger schleppte sie eigens in die Hauptstadt, zur Zeit Sanheribs war dies Ninive. Das geschah, um vor den Augen der assyrischen Untertanen mit der qualvollen Hinrichtung der Verbrecher und Sünder den abschließenden Sieg des Königs und die Wiederherstellung der Ordnung zu unterstreichen.
Derlei zelebrierte man umso ausgiebiger, als sich die Gelegenheit dazu weit seltener ergab, als die Herrscher am Tigris sich dies sehr wahrscheinlich gewünscht haben. In seltenen Fällen wurde die konsequente Bestrafung überdies durch die Erfordernisse der politischen Realität verhindert - so etwa, wenn sich der König zur Begnadigung eines rebellischen Vasallenkönigs gezwungen war, weil er über keinen anderen Thronkandidaten verfügte, der anstelle des Übeltäters hätte regieren können. Strafe drohte also vor allem jenen, die man nicht mehr brauchte, die ersetzbar waren.
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Hiskia entkam der üblichen Strafe
Vor allem aber musste der assyrische König, um das gewünschte feierliche Exempel statuieren zu können, seinen Feind erst einmal lebend in die Finger bekommen - was sich jedoch oft genug als unmöglich erwies. Wäre Jerusalem im Jahre 701 gefallen, so wäre Hiskia wohl in Ketten nach Ninive gebracht worden, wo man ihm, hätte er sich als ersetzbar erwiesen, sehr wahrscheinlich bei lebendigem Leib die Haut abgezogen hätte. Das war die übliche Strafe für den Anführer einer Rebellion. Stattdessen aber misslang die Eroberung Jerusalems, und der Anführer Hiskia blieb dem assyrischen Zugriff entzogen.

Für Sanherib war das alles andere als erfreulich. Doch er hatte inzwischen eine klarere Vorstellung von dem Aufwand gewonnen, der zur Eroberung Jerusalems notwendig war - wobei das Königreich Juda für ihn ohnehin nur den Stellenwert eines Nebenschauplatzes besaß. Da ihn überdies beunruhigende Nachrichten aus Babylonien erreichten, das ihm sehr viel wichtiger war, entschied er, dass ein neuerlicher Feldzug nach Juda die Mühe nicht lohne und nahm dessen abtrünnigen König gegen Zahlung einer beträchtlichen Summe wieder als Vasallen an. Und so war es am Ende eine Vielzahl glücklicher Umstände, die es Hiskia ersparten, als Fallbeispiel für die Grausamkeit der Assyrer in die Geschichte einzugehen.


Infobox: Quelle
Der vollständige Artikel "Waren die Assyrer grausam?" von Professor Andreas Fuchs ist nachzulesen im Sammelband:
Martin Zimmermann: Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums, München 2009.

von Andreas Fuchs, bearbeitet von Rainer Aust



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